Begriff
WAN
Warum wichtig?
Dieser Begriff ist ein Knoten im SengakujiWorks-Wissensnetz. Nutze Level 0 für die erste Einordnung, Level 1 für Praxis, Level 2 für technische Struktur und Level 3 für Grenzen, Fallstricke und Expertenkontext.
Ein WAN ist das Gegenteil vom LAN. Während LAN dein Zuhause ist (lokal), ist WAN die ganze Welt (weit). Es verbindet viele kleine LANs über große Entfernungen (Städte, Länder, Kontinente). Das bekannteste WAN ist das Internet. Firmen nutzen WANs, um ihre Filiale in Berlin mit der Zentrale in München zu verbinden.
Merksatz: Ein Netzwerk, das sich über eine große geografische Fläche erstreckt.
Dein Router zu Hause hat zwei Seiten:
- LAN-Seite: Deine PCs (Privat).
- WAN-Seite: Das Kabel aus der Wand (Öffentlich).
Der WAN-Port an der FritzBox ist oft blau markiert. Da steckst du das Kabel vom Modem rein. Wenn die "WAN-LED" blinkt, hast du Internet.
Für Firmen ist WAN teuer. Eine direkte Glasfaserleitung von Berlin nach München zu mieten ("Standleitung"), kostet tausende Euro im Monat. Deshalb nutzen viele heute SD-WAN (Software Defined WAN): Sie nutzen billiges Internet + VPN statt teurer Leitungen.
1. MPLS (Multiprotocol Label Switching)
Klassisches Firmen-WAN. Der Provider garantiert: "Deine Datenpakete kommen immer in 10ms an und niemand anders sieht sie." Es ist wie eine reservierte Spur auf der Autobahn. Extrem zuverlässig, aber teuer und unflexibel.
2. Routing (BGP)
Im LAN weiß der Switch, wo jeder ist. Im WAN (Internet) ist das komplizierter. Wo ist IP 8.8.8.8? In USA? Oder Japan? Router nutzen BGP (Border Gateway Protocol), um den Weg durch das Labyrinth der weltweiten Netzwerke zu finden. "Geh erst zur Telekom, dann zu Level3, dann zu Google."
1. Das "Last Mile" Problem
Der schwierigste Teil eines WANs ist die "letzte Meile" – das Stück Kabel vom Verteilerkasten an der Straße bis in dein Haus. Während das "Backbone" (das Rückgrat des Internet-WANs) aus massiven Glasfaserbündeln mit Terabit-Geschwindigkeiten besteht, bremsen alte Kupferkabel in den Häusern oft alles aus. Techniken wie VDSL Vectoring versuchen, durch komplexe mathematische Berechnungen das Rauschen auf diesen alten Kupferkabeln zu unterdrücken, um mehr Speed herauszukitzeln. Dennoch: Echtes WAN-Potential wird erst mit "Fiber to the Home" (FTTH) ausgeschöpft.
2. SD-WAN: Underlay vs. Overlay
Moderne Firmennetze trennen die Hardware von der Logik:
- Underlay: Die physische Verbindung (DSL-Anschluss, LTE, Starlink).
- Overlay: Ein virtuelles Netzwerk (SD-WAN), das über alle physischen Leitungen gleichzeitig läuft. Ein SD-WAN-Router merkt in Millisekunden, wenn die DSL-Leitung ruckelt, und schiebt ein wichtiges Zoom-Telefonat automatisch und ohne Unterbrechung auf die 5G-Leitung rüber. Der User merkt nichts davon. Das nennt man "Application-Aware Routing".
3. Transatlantische Latenz
Warum haben wir im WAN immer mindestens 60-100ms Latenz in die USA? Licht in Glasfaserkabeln bewegt sich mit ca. 200.000 km/s (etwas langsamer als im Vakuum). Die Strecke Frankfurt -> New York ist ca. 6.200 km lang. Hin und zurück (Round Trip Time) sind das 12.400 km. Rein physikalisch braucht das Licht dafür schon 62ms. Rechnet man die Verzögerung in den Verstärkern (Repeatern) auf dem Meeresgrund und die Router in den Städten dazu, landet man bei ca. 80-90ms. Schneller wird es nie werden, solange wir Glasfaser nutzen.
Quick-Check
Was ist der Unterschied zwischen Internet und WAN?
Das Internet ist das größte öffentliche WAN der Welt. Aber eine Firma kann auch ein privates WAN haben, das völlig getrennt vom Internet läuft.Warum ist WAN langsamer als LAN?
Physik. Licht braucht Zeit, um von Berlin nach New York zu reisen (Latenz). Und Daten müssen durch hunderte Router durch, die bremsen. Im LAN sind es nur Meter.Was passiert, wenn ein Seekabel im WAN reißt?
Dann bricht das Internet in einer Region zusammen oder wird extrem langsam, weil der Verkehr umgeleitet werden muss (Redundanz).