Begriff
ERP
Warum wichtig?
Dieser Begriff ist ein Knoten im SengakujiWorks-Wissensnetz. Nutze Level 0 für die erste Einordnung, Level 1 für Praxis, Level 2 für technische Struktur und Level 3 für Grenzen, Fallstricke und Expertenkontext.
Ein ERP-System ist das digitale Gehirn einer Firma. Stell dir vor, du verkaufst Limonade.
- Du musst wissen, wie viele Zitronen du noch hast (Lager).
- Du musst Rechnungen schreiben (Finanzen).
- Du musst deine Mitarbeiter bezahlen (Personal).
- Du musst wissen, wer bestellt hat (Verkauf).
Statt 4 verschiedene Excel-Listen zu führen, hast du ein riesiges Programm (ERP), das alles gleichzeitig macht. Wenn du eine Flasche verkaufst, bucht das ERP automatisch:
- -1 Flasche im Lager.
- +2 Euro in der Kasse.
- Erstellt eine Rechnung für den Kunden.
Merksatz: Eine Software-Komplettlösung, um alle Ressourcen und Abläufe eines Unternehmens zentral zu steuern.
Die bekanntesten Anbieter sind:
- SAP: Der Weltmarktführer aus Deutschland (nutzen fast alle Konzerne).
- Microsoft Dynamics: Beliebt im Mittelstand.
- Odoo: Modern und Open Source.
ERP-Projekte sind berüchtigt dafür, teuer und kompliziert zu sein. Die Einführung dauert oft Jahre, weil die Software genau an die Firma angepasst werden muss ("Customizing").
1. Module
Ein ERP besteht aus Modulen wie Legosteine. Eine Firma kauft nur das, was sie braucht:
- FI/CO (Finance & Controlling): Buchhaltung.
- HR (Human Resources): Personal.
- SCM (Supply Chain Management): Lieferkette.
- MM (Materials Management): Einkauf.
2. Single Source of Truth
Der größte Vorteil: Es gibt keine doppelten Daten mehr. Früher hatte der Vertrieb eine Kundenliste und die Buchhaltung eine andere. Wenn der Kunde umgezogen ist, wusste es die Buchhaltung oft nicht. Im ERP greifen alle auf dieselbe Datenbank zu. Datenkonsistenz ist garantiert.
1. Die Drei-Tier Architektur in SAP (NetWeaver)
Klassische ERP Systeme wie das SAP ECC veränderten die IT-Welt mit der strengen Drei-Tier-Architektur:
- Presentation Layer: Die graue "SAP GUI", die lokal auf dem PC der Sekretärin läuft. Sendet nur Tastenanschläge.
- Application Layer (ABAP Dispatcher): Tausende parallele Work-Prozesse, die ABAP-Code asynchron abarbeiten.
- Database Layer: Der massive RDBMS-Storage, der exklusiv dem Application-Tier gehört (direkter SQL-Zugriff ist verboten). Diese Trennung erlaubte Skalierung. Ist das Netzwerk lahm, baut man einfach 5 Application-Server ein, ohne die DB anzufassen.
2. In-Memory Computing (SAP HANA)
Früher (bei Oracle-Datenbanken) dauerte das Generieren eines Quartals-Finanzberichts (OLAP-Queries) oft eine ganze Nacht. Die Festplattenköpfe glühten. Moderne ERPs (S/4HANA) arbeiten mit In-Memory-Databases. Das gesamte ERP-Speichermodell (oft 2–4 Terabyte!) liegt komplett im RAM. Zudem ist die DB nicht mehr row-basiert (Zeilen), sondern Column-basiert (Spalten). Wenn man die Summe aller Rechnungen des Jahres aggregieren will, schießt die CPU nur den Vektor der "Preis"-Spalte im CPU-Cache ab. Ein Bericht, der 14 Stunden dauerte, poppt nun in 3 Sekunden live beim CEO auf dem iPad auf (Real-Time ERP).
3. IDoc und EDI (B2B Integration)
ERPs sind keine Inseln. Wenn Volkswagen einen Reifen bei Continental bestellt, faxt niemand mehr Papier. Das VW-ERP spricht mit dem Continenal-ERP über das EDI-Protokoll (Electronic Data Interchange). In der SAP Welt geschieht dies via IDoc (Intermediate Document). Ein IDoc ist ein standardisiertes, asynchrones Nachrichten-Paket (ähnlich einer XML-Datei). Das ERP "parkt" die IDocs im Outbound-Buffer. Ein Integrations-Server "holt" es ab, übersetzt es ("VW-Feld A ist Continental-Feld B"), verschlüsselt es (AS2/SFTP) und schießt es in das Fremd-System injiziert in die Partner-Queue.
Quick-Check
Braucht ein Bäcker ein ERP?
Ein kleiner Bäcker nicht (Kasse reicht). Eine Bäckerei-Kette mit 50 Filialen und einer zentralen Teig-Fabrik auf jeden Fall (Wann muss Mehl nachbestellt werden?).Was ist der Unterschied zu CRM?
CRM kümmert sich um Kunden (Verkauf, Marketing). ERP kümmert sich um die Firma (Lager, Produktion, Finanzen). Oft sind sie aber verbunden.Warum hassen viele Mitarbeiter ERP-Systeme?
Weil sie oft nicht sehr benutzerfreundlich (UI) sind. Man muss sich durch hunderte Menüs klicken ("Transaktionscodes"), um eine einfache Bestellung anzulegen.